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20.12.2018 Standpunkte

Mein Abenteuer als Weihnachtsengel

Heute möchte ich euch von meinem Job als Weihnachtsengel berichten. Angefangen hat alles am Nikolaustag, als wir in unserem Haus den Weihnachtsmarkt hatten. In der Tagesstrukturierung sah ich einen Heiligenschein liegen und da kam mir spontan die Idee, diesen aufzusetzen. An diesem Abend sprach mich die Mutter eines Bewohners auf meine Verkleidung an. Ich sagte ihr spontan: „Ich bin der Weihnachtsengel und sammle Wünsche für das Christkind.“ Da hatte sie die Idee, dass ich unbedingt noch eine Box brauche, um die Wünsche dort sammeln zu können. Und so kam es zustande, dass ich in die Rolle des Weihnachtsengels schlüpfte.

Mit zwei Mitarbeiterinnen tüftelte ich noch die Vollendung meines Planes aus, gemeinsam bastelten wir die Wunschbox für meinen Rollstuhl.

Am Donnerstag, den 13. Dezember begann ich meinen Job als Weihnachtsengel. Mit einem mulmigen Gefühl startete ich meine Aktion, weil ich mittlerweile Bedenken bekommen hatte, ob mein Vorhaben auch gut bei den Anderen ankommt. Trotz aller Zweifel war ich mutig genug, durch´s Haus zu „schweben“ um die ersten Personen anzusprechen. „Ich bin heute als Wunschengel unterwegs und sammle Wünsche für 2019“, sagte ich und schon purzelten die ersten Wunschzettel in meine Box. Viele im Haus waren von meiner Idee sehr begeistert und so füllte sich mein „himmlischer Briefkasten“ schnell.

Am Abend meines Projekts wurde es für mich erst richtig spannend, denn ich ging mit einigen Bewohnern und Begleitern auf ein Konzert der Gruppe „Die Füenf“ in Öhringen, bei denen wir alle schon zum vierten Mal dabei waren. Ich hatte mir fest vorgenommen, auch dort als Weihnachtsengel unterwegs zu sein, damit ich meine Scheu überwinde und lerne mehr auf andere zuzugehen. So sprach ich mit Unterstützung von einer Begleitperson in der Pause einfach Konzertbesucher an und freute mich, dass einige bereit waren, mein Projekt zu unterstützen. Auch „Die Füenf“ wollte ich in die Aktion miteinbeziehen. Die Gelegenheit fand sich am Ende des Konzertes, bei der üblichen Autogramm- und Plauderstunde. Als wir unser obligatorisches Gruppenfoto mit der Band machten, erzählte ich den Mitgliedern von meiner Idee und sofort warfen drei Musiker ihren Wunschzettel ein. Einer der Bandmitglieder meinte, dass ich gar keinen Heiligenschein bräuchte, sondern dass man diesen einem seiner Kollegen aufsetzen müsste. Ich freute mich riesig, dass vor allem mein Lieblingssänger von meiner Idee sehr begeistert war.

Trotz meiner mutigen Aktion war ich am Abend eher unzufrieden, da ich nicht sicher war, ob es bei den Konzertbesuchern gut angekommen ist. So beschloss ich, einen Tag später, an unserer Weihnachtsfeier meinen Job als Weihnachtsengel zu verlängern. Ich dachte mir, dass an der Feier bestimmt noch viele Wünsche zusammen kommen würden. Wieder hatte ich eine fleißige Helferin, die mich beim Ansprechen der Leute unterstützte. Die Reaktion war sehr groß und viele Bewohner, Mitarbeiter und Besucher waren fleißig am Ausfüllen der Wunschzettel, sodass man am Ende des Abends Mühe hatte, Zettel in die Box zu werfen, so voll war sie schon.

Zum Schluss möchte ich euch noch von einer überraschenden Begegnung erzählen. Ein Pfleger des Wohnzentrums sagte: Wenn der Wunsch in Erfüllung geht, schenke ich dir einen Kasten Bier“, danach zögert er kurz und ergänzte: „Ach ja, du trinkst ja gar keinen Alkohol, dann lass ich mir was andres für dich einfallen“.

Noch ein paar Tage später war mein Auftritt als Weihnachtsengel im Gespräch. Eine Mitarbeiterin erzählte mir mit Begeisterung, dass ich als Engel eine so positive Ausstrahlung auf die Leute gehabt hätte. Diese Rückmeldung hat mich dazu ermutigt, vielleicht nächstes Jahr wieder auf Wunschsammlung zu gehen.

Zusammen mit dem Christkind bin ich alle eure Wünsche durchgegangen. Es war interessant und überraschend zu sehen, was ich alles von euch gesammelt habe. Insgesamt sind 120 Wünsche zusammengekommen, die ihr unten bei den Fotos nachlesen könnt.

Jetzt wünsche ich euch allen frohe Weihnachten und hoffe, dass all eure Wünsche in Erfüllung gehen.

Euer Weihnachtsengel


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3 Kommentare

jutta schrieb am 20.12.2018 - 14:41 Uhr

Super gute Idee, bitter lieber Engel mach es nächstes Jahr wieder,danke an deine Engelshelferinne n und Helfer:


Georg Kleiner schrieb am 21.12.2018 - 19:00 Uhr

Eine spannende Aktion die zeigt, daß die meisten Wünsche nicht unerfüllbar sind. Deutlich ist erkennbar: Zum Gewünschten kommt es oft nicht etwa wegen einer unpassenden oder fehlerhaften Umgebung, sondern meist wegen einer unklaren Selbstheit. Welche Rolle will der Mensch spielen? Dieser Engel war unzweifelhaft ein homo faber. Nomen est omen.


Biggi Gotthardt schrieb am 29.12.2018 - 16:10 Uhr

Super Bericht! Beim nächsten Wünschen wäre ich gern dabei, kleiner Engel


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