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05.10.2018 Standpunkte

Selbstständigkeit

Seit ich selbstständig mit dem Bus fahre, bin ich viel freier geworden und es tut mir richtig gut. Diese gute Erfahrung möchte ich deshalb an alle Rollifahrer, aber auch an alle Fußgänger weitergeben.
Früher musste ich nie alleine mit dem Bus fahren. Auch seit ich hier im Haus bin nicht, denn mit dem hauseigenen Bus werden Fahrten für Bewohner organisiert. Da ist man aber immer zeitlich gebunden und nicht alleine sondern mit einer Gruppe unterwegs.
Deshalb wollte ich einmal etwas Neues erleben und eine neue Erfahrung sammeln. Aber ich hatte auch Angst davor, dass ich versagen würde. Bei meinem Vorhaben, alleine Bus zu fahren, hatte ich allerdings Unterstützung von Andreas, einem Bekannten. Es war für mich ein Ansporn und auch wichtig, dass ich wusste, dass er mich nach der Fahrt an meinem Zielort erwartete.
Zuerst habe ich den Busfahrplan gelesen. Dabei habe ich festgestellt, dass der Bus stündlich nach Bad Mergentheim fährt, z.B. 8:47 Uhr und so weiter. Dann habe ich einmal einen anderen Rollstuhlfahrer beobachtet, wie er alles macht. Er hat sich zuerst bemerkbar gemacht und die Hand gehoben, damit der Busfahrer überhaupt mitbekommt, dass er mitfahren wollte. Ich persönlich finde es wichtig, den Busfahrer höflich um seine Hilfe zu bitten, denn er muss den Rollstuhlfahrer in den Bus schieben. Ich finde es auch gut, wenn man sich danach bei dem Busfahrer bedankt. Hinweisen möchte ich noch darauf, dass es eigentlich ganz einfach ist, nach Bad Mergentheim zu fahren. Man muss sich nicht mehr wie früher für eine Fahrt anmelden, jeder Bus hat mittlerweile eine ausklappbare Rampe und es ist immer die Linie 19.
Im Juni kam dann ein Wochenende, an dem ich nichts anderes vorhatte und meinen ganzen Mut zusammennahm, um meine erste Fahrt alleine zu machen. Ich sagte mir: Es kann doch nichts passieren, ich kann ja die anderen Leute fragen, falls ich mich verfahren sollte oder ich nicht weiß, wo ich aussteigen soll.
Die Hin- und Rückfahrt hat  allerdings auf Anhieb toll geklappt. Als ich abends wieder nach Hause kam, fühlte ich mich stolz und zufrieden, weil ich wieder ein Stück Selbstständigkeit erreicht hatte. Ich habe vor Glück sogar geweint.
Schade finde ich nur, dass die Mitarbeiter der Tagesstruktur mich in meinem Vorhaben nicht unterstützt haben. Umso stolzer bin ich, dass ich dann selber einen anderen Weg gefunden habe. Ich kann Jedem empehlen, es auch einmal zu versuchen. Man sollte sich trauen, denn es macht glücklich, wenn man den Mut hatte, etwas Neues zu schaffen.
Traut euch, ich stehe euch gerne zur Seite.
Eure Stefanie



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4 Kommentare

Andreas Brandenburger schrieb am 05.10.2018 - 11:52 Uhr

habe ich gerne getan helfe immer


Simone Böttner schrieb am 06.10.2018 - 19:40 Uhr

Ich bin stolz auf meine Tochter Stefanie. Stefanie mach weiter so, nur dann kannst du weiter kommen und bist für dich glücklich und zufrieden .


Mario Pavlovic schrieb am 06.10.2018 - 23:28 Uhr

Wir in Krautheim, sind mit dem NVH auf einem langen Weg, den man nur mit Aktivität, Mut und Selbstbewusstsein gehen kann und muss!! Bis 2021, muss wohl jeder öffentliche Linienbus, mit einer Rampe bestückt werden. Dies, darf uns aber nicht reichen! Unser Ziel muss sein, das es zwei Rollstuhlplätze pro Bus gibt. Durch die geographische Lage Krautheims im strukturschwachen Raum, müssen wir schon mit der stündlichen Taktung des öffentlichen Nahverkehrs leben. Mittel- bis langfristig, müssen zwei Plätze für Rollstuhlfahrer pro Buslinie fix umgesetzt werden. Ich bitte hiermit jede(n) Leser/in, dieses Beitrags sich in Form von Leserbriefen, Telefonaten usw., an die entsprechenden Stellen zu wenden und somit ,unsere gemeinsame Sache zu unterstützen!! Vielen Dank für Ihre Unterstützung Mit freundlichen Grüßen Mario Pavlovic


Moni schrieb am 20.11.2018 - 20:09 Uhr

Du hast einen guten Weg zu mehr Selbstständigkeit und für Dein Selbstvertrauen gefunden. Ich freue mich für Dich und hoffe, dass Du andere Bewohner mit Deinem Engagement motivieren kannst. LG. Moni


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