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19.01.2018 Bewohnerbeiträge

Geschichten aus meinem Leben – Andrea erzählt – Teil II

Als Inklusion noch ein Fremdwort war!
In den 1960-er und 70-er Jahren kannte man die Wörter Integration und Inklusion noch nicht, und doch wurden sie gelebt. Ich habe schon den Ort Greene erwähnt, wo ich die ersten Lebensjahre gewohnt habe. Hier war es selbstverständlich, dass ich in das Familien- und Dorfleben einbezogen wurde. Der dortige Kindergarten nahm mich auf, und ich hatte eine sehr schöne Zeit, die mir Meilensteine für mein Leben eröffnet hat. Ich lernte von den anderen Kindern und diese von mir. Jahre später unterhielt ich mich mit einem Kindergartenfreund darüber und ihm ging es genauso wie mir.
In Greene wohnte ich die ersten sieben Lebensjahre. Danach zog ich für ein Jahr allein nach Hannover in die Krankenhausschule des Annastifts, einer großen Reha-Einrichtung mit Schule für Menschen mit Körperbehinderung. Ich war schulpflichtig und im Internat war damals kein Platz frei. Ein Jahr später wurde ich in den normalen Schulbereich eingegliedert und inzwischen waren auch meine Eltern nach Hannover gezogen, um mir ein Leben daheim zu ermöglichen. Die Schule schloss ich mit dem Hauptschulabschluss, was letztendlich mein eigener Wunsch war. Und das kam so: wir hatten damals zwei Schulbereiche, einmal den normalen Hauptschulbereich und den Lernbehindertenbereich, in dem auch ich eingegliedert war. Aufgrund dessen, dass ich mit einem Stirnstab und Schreibmaschine arbeitete, dachte man, ich müsse „geschont“ werden. Das haben mir meine damaligen Lehrerinnen später so gesagt. Die Frage mit dem Hauptschulabschluss kam auf, als zwei Klassenkameraden in die Hauptschulklasse wechseln sollten. Da habe ich mich gefragt: „warum nicht auch ich?“ und setzte damit eine ganze Maschinerie in Gang. Meine Eltern, die Schulleitung, die Klassenlehrerin und der mögliche neue Klassenlehrer wurden informiert und es gab viele Gespräche mit allen Beteiligten. Letztendlich wurde mir mein Wunsch erfüllt und ich kam in die beste Klasse, die ich mir wünschen konnte und hatte den besten Klassenlehrer aller Zeiten. Ich habe sehr viel gelernt und das hat mich für mein weiteres Leben geprägt.
Bis zu meinem Schulabschluss haben meine Familie und ich in einem Mietshaus in Hannover gewohnt. Hier war ich in die Hausgemeinschaft einbezogen und hatte auch Kontakte zu anderen Kindern.
Wie ging es nach der Schule weiter?
Nach meinem Schulabschluss zogen wir alle wieder zurück nach Greene. Es folgte ein Aufenthalt in Neckargemünd, wo ich an einer Berufsfindungsmaßnahme teilgenommen habe. Und dann ging es ab ins Berufsleben, in dem ich von 1980 bis 2007 in Greene und dann in einer nahen Kleinstadt in verschiedenen Unternehmen tätig gewesen bin. Unter anderem habe ich in einem Reise- und Ferienring gearbeitet. Wir wollten Urlaubsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen schaffen, in Form von Wohnungstausch. Das VW-Werk in Wolfsburg stellte uns dazu einen Bus zur Verfügung, mit dem wir unsere Fahrgäste in die Ferienorte bringen konnten. Dabei hatten wir einmal einen Fahrgast, der nach Krautheim gefahren werden wollte. Diesen Gast begleitete ich und auf diese Weise lernte ich im Jahr 1990 das Eduard Knoll Wohnzentrum kennen.
Ich bin diesen Unternehmen sehr dankbar, dass sie mir die Möglichkeit zur Mitarbeit gaben, war es doch schon wieder gelebte Inklusion.

Geschichtenaus meinem Leben – Andrea erzählt – Teil I

Und so geht´s nächste Woche weiter
Geschichten aus meinem Leben – Andrea erzählt – Teil III
In meinem Leben habe ich viele Reisen mit meinen Eltern und Freunden unternommen



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1 Kommentare

Arnim Korff schrieb am 22.01.2018 - 12:00 Uhr

Liebe Andrea, sehr schön, deine Berichte zu lesen. Auch - und gerade - für mich. Ja, das war schon eine tolle Klasse, in die du nach deiner " Karriere " im Lernbehinderten Zweig der Schule gekommen bist und deren Klassenlehrer ich war. Wir haben alle viel gelernt, auch von einander, und hatten viel Spaß miteinander. Mit dir und auch deinen Eltern verbinden sich sehr viele positive Erinnerungen. Und eine Freundschaft bis heute.


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